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50 werden ist schwer, 50 sein nicht mehr.

Ist die Redewendung:

50 werden ist nicht schwer, 50 sein dann aber umso mehr.

wahr?

Kann man das wirklich so bestätigen? Bei mir war das genau umgekehrt. Meine 50-Werdung fing bereits ab dem 45. Geburtstag an und war eine “richtig schwere Geburt”.

50 werden ist schwer, 50 sein dann nicht mehr.

Der Akt selbst ist ja nicht das Problem. Warum sollte er auch? Die Tage vergehen von selbst. Im Flug, quasi. Wie auf einer Reise. Einer Flugreise, quasi. Einmal noch geht die Sonne unter. Der Mond geht auf. Ohne Überraschung kommt der nächste Morgen und dann, … auf einmal … Geburtstag.

Der Fünfzigste.

Das Schwierige war der Weg dahin. Die Vorbereitungen zum Festtag waren aufreibend und langwierig. Obwohl es kein Fest geben sollte. Schon seit Jahren stand fest, das es kein Fest geben würde. Erst recht nicht an meinem Fünfzigsten. Ich sollte mich mit einem kleinen Kreis meiner Familie verpissen und den Tag fernab meiner Heimat verbringen. Das war der urzeitliche Plan, der dann auch durchgeführt wurde. Mein Vorbereitungsritual aber wollte offensichtlich umfassende Veränderungen in unterschiedlichen Bereichen auslösen.

Ich habe fotografiert, um Jugend festzuhalten. Ich habe nicht mehr in den Spiegel geschaut. Ich habe angefangen zu Joggen, Kräutertee zu trinken, Vitamine und Mineralstoffe einzunehmen und Medikamente für Gut zu befinden. Ich habe neidisch auf die anderen geblickt. Ich habe Angstattacken erlebt und Depressionen durchfühlt. Ich habe mich im Themenbereich Esoterik eingelesen. Japanisches Heilöl, Kamille-, Minz- und Teebaumöl benutzt. Ich habe Hoffnungen geschürt. Ich habe ein Leben nach dem Tod ersehnt. Ferne Riten, Wissen was niemand kennt. Ich habe Gespräche mit Gott geführt und Siddhartha gelesen, um Sinn zu erkennen. Ich habe gefastet, meditiert, sauniert. Gebetet. Ich habe den Yogini in mir entdeckt. Ich habe nach über 30 Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Ich habe erst zugenommen und dann versucht abzunehmen. Ich habe mich bemüht, Lebensmittelunverträglichkeiten aus dem Weg zu gehen. Ich habe meinen Bauch gefunden. Ich habe angefangen, Reis zu essen. Ich habe einen Urologen kennengelernt. Ich bin bestürzt gestürzt.

Sichtbare Veränderungen am Körper sollten geistig-psychisch verarbeitet und möglichst wenig bis gar nicht kommentiert, unsichtbare Veränderungen in Körper, Kopf und Seele mussten körperlich-physisch widerlegt, abgearbeitet und wegtrainiert werden.

Kurz gesagt, der Prozess des 50-Werdens war über mehrere Jahre ein schweres Unterfangen. Dann nur noch über die Hürde zu springen und einfach 50 zu sein, war kein Ding.

Danach habe ich mir einen Hut gekauft. Ab 50 ist das ok.
Bisher.