Die Zeit ist noch nicht reif für Jesus!

Gestern habe ich Jesus getroffen.

Mein Gott, wie siehst Du denn aus? Du bist ja völlig erschöpft, verletzt und verdreckt? Was ist Dir denn passiert? Wer hat Dich so zugerichtet?

„Ich habe noch nicht einmal von meinem Vater erzählt. Sie haben gar nicht gewartet, bis ich etwas sagen konnte. Sie haben mich angespuckt und mich mit Steinen beworfen. Sofort. Einfach so. WEIL ICH NICHT SO BIN, WIE SIE. Sie haben mir die Kleider vom Leib gerissen, mir eine Narrenkappe aufgesetzt und mich anschließend durch die dunklen Gassen der Stadt getrieben. Ein alter Mann vom Stamm der Syrer hat sich der Meute im letzten Moment kurz entschlossen vor die Füße geworfen. Sie waren für einen kleinen Augenblick so verwirrt und uneinig, wen sie fortan weitertreiben wollten, aber dadurch so handlungsunfähig, das ich entkommen konnte.“

„Dabei hatte ich meinen Vater endlich soweit überzeugt, das er wieder an das Gute im Menschen glauben wollte. Ich habe mich richtig ins Zeug gelegt für euch und jetzt habe ich die Arschkarte. Schon wieder! Ich sollte als normaler Mensch auf die Erde gehen. Keine Wunder dieses Mal. Die Menschen sollten mich doch auch wohl so erkennen. Durch meine Worte. Durch meine Taten. Deswegen und NUR deswegen sollten sie mir folgen. Mich verehren, mit mir beten und mich anbeten.“

„Aber ich komme ohne Wunder fast gar nicht bis zu euch ran. An der Grenze da vorne ist Schluss. Sie schießen erst und fragen dann? Sie verstehen mich nicht. Welche Sprache muss ich sprechen? Welche Hautfarbe darf ich überhaupt haben, welche Nationalität, um bei euch hineingelassen zu werden? Ich darf nicht beschnitten sein? WTF.. Ich brauche Anwälte.

Um die bezahlen zu können, müsste ich allerdings ein Konto eröffnen. Mit Bargeld komme ich bald ohnehin nicht mehr weit, hat der Mann in Uniform zu mir gesagt. Ein Ausweiss ist zwingend, ein Smartphone zur Kommunikation von Vorteil. Ein fester Wohnsitz ein Muss, … wie soll ich die Welt einnehmen? Überhaupt kommt mir alles viel viel größer vor als es das letzte Mal schien.

Wie und wo soll ich mich mit euch in Verbindung setzen? In einem Karnevallskostüm? In süddeutscher Tracht? Mein Bart ist zu lang? Muss ich einen bestimmten Beruf ausüben? Feste Nahrung zu mir nehmen? Mindestalter? Politisch organisiert? Geburtsurkunde, polizeiliches Führungszeugnis, … .“

„Ich glaube, mein Kommen war dann jetzt doch etwas übereilt. Etwas mehr Geduld von meiner Seite und ihr hättet euch untereinander ohne großes Zutun aber ohne jeden Zeifel in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten selbst bis auf ein Minimum dezimiert. Vielleicht wären ja ein, zwei Völker übrig geblieben, auf die ich mich dann hätte gezielt vorbereiten können.“

„Vielleicht beim nächtsten Mal?“